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Kammermusik in Wien – Matinee mit Erich Höbarth (Violine), Thomas Riebl (Viola) und Peter Hudler (Violoncello)

February 15 @ 11:00 am - 1:30 pm

Mozart – Weinberg – Beethoven

 

 

 

Freiheit im Spiegel der Epochen

Was verbindet die Titanen der Wiener Klassik Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven mit Mieczysław Weinberg, einem jüdisch-polnischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, der seine künstlerische Heimat in der Sowjetunion fand? Auf den ersten Blick scheinen zwischen ihnen Welten zu liegen – zwischen Klassik und Moderne, Aufklärung und Nachkriegszeit. Und doch sprechen ihre Werke eine gemeinsame Sprache: Die der formalen Klarheit, der Anteilnahme am menschlichen Dasein und nicht zuletzt die einer jeweils persönlichen Beziehung zum Thema der Freiheit.

 

Mozarts Duo in B-Dur KV 424 entstand 1783 während seines letzten Aufenthalts in Salzburg. Eigentlich war die Reise ein Familienbesuch, bei dem er seinem Vater Leopold seine Ehefrau Constanze vorstellen wollte – die Begegnung verlief jedoch kühl. Gleichzeitig bat ihn sein Freund Michael Haydn um Hilfe: Der Domorganist war mit einem Auftrag des Fürsterzbischofs Colloredo für sechs Duos für Violine und Viola in Verzug geraten. Mozart sprang kurzerhand ein und komponierte die beiden fehlenden Werke, die unter Haydns Namen übergeben wurden.

Das Duo ist in B-Dur komponiert, es ist daher weder der Bass-Ton (b) noch die Dominante (F) auf einer normalen Bratsche verfügbar. Dass das Stück trotzdem völlig abgerundet und stimmig ist haben wir der Genialität Mozarts zu verdanken. Thomas Riebl wagt in seinem Arrangement dennoch, den tiefen Bereich dank der F-Saite seiner fünfsaitigen Tenorbratsche auszuschöpfen; es ermöglicht viele logische Stimmführungen und ein erweitertes Klangbild.

 

Die beiden Duos Mozarts bestechen nicht nur als ein Musterbeispiel klassischer Balance und dialogischer Eleganz, sondern auch als Werke mit feinem biografischem Unterton: Musik als charmante, selbstbewusste Geste eines freien Künstlers.

 

Lebenslang mit dem Thema des Verlusts vom Freiheit schmerzvoll konfrontiert war der polnisch-jüdische Komponist Mieczyslaw Weinberg (1919 – 1996). Sein Streichtrio op. 48, 1950 in Moskau komponiert, wurde zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt. Die Jahre zwischen Kriegsende und Stalins Tod 1953 waren für Weinberg eine schwere Zeit: Sein Schwiegervater, der bekannte Schauspieler und Regisseur Solomon Michoels, war von Stalin ermordet worden, und nach Vollendung des Trios sollte auch Weinberg selbst verhaftet werden. Gerettet hat ihn schliesslich der Tod Stalins. Trotz dieser Bedrängnis oder gerade daraus schöpfend, zeigt das Trio eine Vielzahl an Facetten: Hintergründig-fröhliche Passagen wechseln ab mit geheimnisvoll-gedrückten Momenten, und folkloreartige Einschübe sorgen für rhythmische und melodische Vielfalt.

Weinberg fand schließlich seinen Lebensmittelpunkt in Moskau und entwickelte eine unverwechselbare musikalische Sprache: tief in der klassischen Tradition verwurzelt. SeinTrio op. 48 vereint formale Strenge, expressive Kraft und poetische Vielfalt – ein Werk, das exemplarisch zeigt, warum er heute als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gilt.

 

Nach der Pause wendet sich das Programm Beethoven zu, der wie kaum jemand mit bedingungslosem Individualismus und der Emanzipation des “genialen Künstlers” in Verbindung gebracht wird. Musikalisch drückt sich diese Kraft in gestalterischer Freiheit, der Gleichberechtigiung der Stimmen und dem Überschreiten musikalischer Konventionen aus – ein weiteres eindrucksvolles Beispiel für die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema der Freiheit.

 

Beethovens heiteres Duo Es-Dur WoO 32 für Viola und Violoncello, auch bekannt als „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“, verbindet Eleganz, eine gehörige Portion Witz und Virtuosität.

 

Den Abschluss und Höhepunkt der Matinee bildet das Trio G-Dur op. 9 Nr. 1, ein frühes Meisterwerk. Anders als Bach oder Mozart, die in einer fest gefügten städtischen bzw. ständischen Ordnung aufwuchsen, veröffentlichte Beethoven seine ersten Opera in der Epoche der Revolutionskriege, einer Zeit der Umwälzungen. Die Trios Op. 9 verbinden fast schon sinfonischen Anspruch, Virtuosität bis an die Grenzen des damals Spielbaren und kammermusikalische Intimität und zeigen bereits den jungen Beethoven als jenen Komponisten, der die Kammermusik vom aristokratischen Salon in den öffentlichen Konzertsaal führt. In jedem Takt spürbar sind sein Streben nach Freiheit, Ausdruck und Gestaltungsmacht – musikalische Qualitäten, wie wir sie auch bei Mozart und Weinberg erleben konnten.

 

Programm:

 

Wolfang Amadeus Mozart: Duo B-Dur KV424 für Violine und Viola, in der Fassung für Violine und fünfsaitige Tenorbratsche von Thomas Riebl

Mieczysław Weinberg (1919 – 1996): Streichtrio op.48

 

Pause

 

Ludwig van Beethoven: Duo Es-Dur für Viola und Violoncello, WoO 32, “Duett mit zwei obligaten Augengläsern”

Ludwig van Beethoven: Trio G-Dur für Violine, Viola und Violoncello, op. 9,1

 

Mitwirkende:

 

Erich Höbarth, Violine

Thomas Riebl, Viola und 5-Saitige Tenorbratsche

Peter Hudler, Violoncello

 

Für Fragen und Reservierungen: info@celloexpansion.com

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